Rollsaum mit der Overlock nähen: Einstellungen Schritt für Schritt

Feiner Rollsaum an hellblauem Chiffon unter dem Nähfuß einer Overlock

Kurz gesagt: Ein Rollsaum entsteht auf der Overlock mit drei Fäden und einer Nadel, indem der Stichfinger entfernt oder versenkt wird, die Stichlänge auf etwa 1 bis 1,5 mm verkürzt und die Untergreiferspannung deutlich erhöht wird. Die Stoffkante rollt sich dadurch beim Nähen ein und wird dicht mit Faden umschlungen — ideal für feine Stoffe, Volants, Schals und Tischwäsche.

Inhalt

  1. Was ein Rollsaum ist
  2. Maschine vorbereiten
  3. Die Einstellungen im Detail
  4. Schritt für Schritt nähen
  5. Typische Probleme und Lösungen
  6. Häufig gestellte Fragen

Was ein Rollsaum ist

Beim Rollsaum (auch Rollnaht genannt) schlägt die Overlock die Stoffkante nicht flach um, sondern rollt sie nach unten ein und umschlingt sie eng mit dem Greiferfaden. Das Ergebnis ist eine schmale, leicht erhabene Kante von wenigen Millimetern Breite. Man findet sie an Chiffonschals, Volants, Rüschen, Servietten und an den Säumen leichter Blusen.

Genäht wird mit einer Nadel (meist die rechte) und beiden Greifern, also mit drei Fäden. Manche Maschinen beherrschen zusätzlich einen 2-Faden-Rollsaum, der noch feiner ausfällt — dafür ist ein Konverter am Obergreifer nötig.

Maschine vorbereiten

Der entscheidende Umbau betrifft den Stichfinger: Dieser kleine Metallzapfen an Stichplatte oder Nähfuß hält normalerweise die Fadenschlingen flach. Für den Rollsaum wird er entfernt, versenkt oder per Hebel auf Position „R“ geschoben — je nach Modell. Ohne Stichfinger ziehen sich die Schlingen eng zusammen und rollen die Kante ein. Wo der Hebel oder Zapfen sitzt, verrät die Bedienungsanleitung unter „Rollsaum“ oder „rolled hem“.

Außerdem wichtig: Die linke Nadel wird entfernt, eine frische, feine Nadel (Stärke 70–80) eingesetzt und der Zustand des Obermessers geprüft. Da die Schnittkante beim Rollsaum direkt eingerollt wird, zeichnet sich jede ausgefranste Stelle im Ergebnis ab — ein stumpfes Overlockmesser ist eine häufige Ursache für unsaubere Rollsäume und lässt sich als Verschleißteil tauschen.

Die Einstellungen im Detail

  • Stichlänge: 1 bis 1,5 mm. Je kürzer, desto dichter die Fadenraupe. Bei sehr weichem Stoff nicht zu kurz wählen, sonst staut sich der Stoff.
  • Untergreiferspannung: deutlich erhöhen (oft um 2 bis 3 Stufen). Der straffe Untergreiferfaden zieht den Obergreiferfaden um die Kante nach unten — das erzeugt die Rollung.
  • Obergreiferspannung: normal bis leicht gelockert, damit der Faden die Kante glatt umschlingen kann.
  • Messerposition / Schnittbreite: schmal stellen, damit nur wenig Stoff eingerollt werden muss.
  • Differentialtransport: auf Neutral (1) für glatte Säume. Wer einen gewellten Ziereffekt („Salatkante“) an dehnbarem Stoff möchte, stellt unter 1 und dehnt den Stoff beim Nähen leicht.

Ein dehnbares Bauschgarn im Obergreifer macht die Raupe dichter und weicher; in Nadel und Untergreifer bleibt normales Overlockgarn.

Schritt für Schritt nähen

  1. Maschine wie beschrieben umbauen und einstellen.
  2. An einem Reststück desselben Stoffs eine Probenaht nähen und die Kante begutachten.
  3. Spannung nachjustieren: Rollt sich die Kante nicht ein, Untergreiferspannung weiter erhöhen. Wirkt die Raupe löchrig, Stichlänge verkürzen.
  4. Den Saum nähen, dabei den Stoff locker führen und nicht ziehen. Die Maschine schneidet eine schmale Kante ab und rollt den Rest ein.
  5. Am Ende eine Fadenkette von einigen Zentimetern nähen, abschneiden und mit einer stumpfen Nadel in die Raupe zurückziehen oder verknoten.

Typische Probleme und Lösungen

Die Kante franst aus der Raupe heraus: Stichlänge verkürzen oder Schnittbreite minimal erhöhen, damit mehr Stoff eingerollt wird. Bei stark fransenden Geweben hilft Bauschgarn im Obergreifer.

Der Saum wellt sich unbeabsichtigt: Differentialtransport in Richtung 1,5 stellen und den Stoff nicht dehnen.

Die Raupe löst sich am Anfang oder Ende: Fadenketten lang genug lassen und sichern, statt direkt an der Stoffkante abzuschneiden.

Häufig gestellte Fragen

Welche Stoffe eignen sich für den Rollsaum?

Leichte bis mittelschwere Stoffe: Chiffon, Georgette, Viskose, Batist, leichte Baumwolle und Jersey. Dicke oder steife Stoffe lassen sich nicht sauber einrollen.

Brauche ich spezielles Garn?

Normales Overlockgarn funktioniert. Ein texturiertes Bauschgarn im Obergreifer ergibt eine dichtere, weichere Raupe und wird oft für sichtbare Kanten verwendet.

Was ist der Unterschied zwischen 2- und 3-Faden-Rollsaum?

Der 3-Faden-Rollsaum ist der Standard und etwas kräftiger. Der 2-Faden-Rollsaum benötigt einen Obergreifer-Konverter und ergibt eine besonders feine Kante für hauchdünne Stoffe.

Warum rollt sich die Kante nicht ein?

Meist ist der Stichfinger noch in Normalposition oder die Untergreiferspannung zu locker. Beides prüfen und eine Probenaht nähen.