Der Rollsaum gehört zu den elegantesten Abschlüssen für leichte Stoffe. Bei Chiffon, Seide, Voile oder feinem Georgette rollt sich die Stoffkante zu einem schmalen, gleichmäßigen Rand ein, der von einem dichten Fadenband umschlossen wird. Damit das Ergebnis wirklich sauber wird, kommt es auf das Zusammenspiel von Maschineneinstellung, Stichplatte und Faden an. Feine Stoffe verzeihen wenig, deshalb lohnt sich vorab ein Blick auf die Grundlagen.
Inhalt
- Was den Rollsaum technisch ausmacht
- Stichplatte und Fingerauswahl
- Fadenwahl und häufige Fehler
- Häufige Fragen
Was den Rollsaum technisch ausmacht
Beim Rollsaum wird die obere Fadenspannung deutlich erhöht, sodass der Obergreiferfaden die Stoffkante nach unten um sich herum zieht und einrollt. Der Untergreiferfaden wird dabei stark angezogen und läuft an der Unterseite als schmale Linie. Typischerweise arbeitet man mit drei Fäden: Nadel, Obergreifer und Untergreifer. Das linke Nadelsystem bleibt frei, gearbeitet wird nur mit der rechten Nadel.
Die Stichlänge wird kurz eingestellt, meist im Bereich um einen bis zwei Millimeter, damit die Fäden dicht liegen und die Kante vollständig eingeschlossen ist. Je kürzer der Stich, desto satter wirkt der Rand, allerdings steigt bei sehr kurzen Stichen die Gefahr, dass sich der feine Stoff staucht. Ein kurzer Probelauf auf einem Reststück des gleichen Materials ist deshalb Pflicht, bevor das eigentliche Werkstück an die Reihe kommt.
Stichplatte und Fingerauswahl
Entscheidend für den Rollsaum ist die richtige Stichplatte beziehungsweise der Stichfinger. Viele Overlockmaschinen verfügen über einen einziehbaren oder wechselbaren Stichfinger. Für den Rollsaum wird dieser entfernt oder in die Rollsaumposition gebracht, damit sich die Stoffkante frei einrollen kann und nicht über einen breiten Finger gespannt bleibt. Bleibt der Standardfinger eingesetzt, entsteht statt eines Rollsaums nur eine schmale Kettelnaht.
Wer für sein Modell eine gesonderte Rollsaumstichplatte oder einen passenden Ersatzfinger benötigt, findet die passende Stichplatte über den Ersatzteilfinder und kann so sicherstellen, dass Bauform und Gewinde exakt zur Maschine passen. Die Passgenauigkeit ist hier wichtiger als bei vielen anderen Teilen, weil schon ein leicht abweichender Finger das Einrollverhalten spürbar verändert.
Fadenwahl und häufige Fehler
Für die Optik lohnt sich feiner Faden. In den Greifern kommt oft Bauschgarn zum Einsatz, das sich beim Einrollen weich um die Kante legt und den Rand dichter und weicher erscheinen lässt. In der Nadel läuft dagegen ein glattes, dünnes Nähgarn. Bei sehr transparenten Stoffen wählt man die Fadenfarbe eng am Stoffton, weil der schmale Saum sonst als kräftige Linie hervortritt.
Zu den häufigsten Fehlern zählt eine zu niedrige Obergreiferspannung, wodurch sich die Kante nicht vollständig einrollt und der Stoff an der Naht durchscheint. Wellt sich der Saum, ist meist der Stoff beim Nähen gedehnt worden oder das Differential falsch eingestellt. Bei leichten Stoffen führt man das Material nur locker, ohne zu ziehen, und lässt den Transporteur die Arbeit machen. Fusselt die Kante aus, hilft ein frisch geschärftes Messer, das die Kante glatt beschneidet, statt sie zu zerfasern.
Häufige Fragen
Kann ich einen Rollsaum auch mit zwei Fäden nähen?
Ja, viele Maschinen bieten einen Zweifaden-Rollsaum an, der besonders leicht und weich ausfällt. Er eignet sich gut für sehr feine Stoffe, während der Dreifaden-Rollsaum etwas fülliger und stabiler wirkt.
Warum staucht sich mein Chiffon beim Rollsaum?
Meist ist die Stichlänge zu kurz oder das Differential zu hoch eingestellt. Eine etwas längere Stichlänge und ein neutrales bis leicht negatives Differential glätten den Lauf bei feinen Stoffen.
Brauche ich für den Rollsaum spezielles Garn?
Zwingend nicht, aber Bauschgarn in den Greifern sorgt für einen deutlich dichteren und weicheren Rand. In der Nadel bleibt dünnes, glattes Nähgarn die bessere Wahl.