Overlock einfädeln: die richtige Reihenfolge und was bei Fehlern passiert

Overlock einfädeln: die richtige Reihenfolge und was bei Fehlern passiert

Beim Umstieg auf die Overlock braucht das Einfädeln anfangs die meiste Übung. Vier Fäden, zwei Greifer, ein enger Bauraum – und die Maschine näht nur, wenn alles exakt stimmt. Dahinter steckt jedoch kein Geheimnis, sondern eine schlichte mechanische Logik. Wer sie kennt, fädelt zuverlässig ein und erkennt Fehler sofort am Stichbild.

Inhalt

Warum die Reihenfolge nicht beliebig ist

Bei der Overlock bildet der Untergreifer eine Fadenschlaufe, die der Obergreifer anschließend durchfährt. Die Nadelfäden binden dieses Gebilde im Stoff fest. Diese Abfolge ist mechanisch festgelegt und lässt sich nicht umkehren.

Wird der Untergreifer nach dem Obergreifer eingefädelt, muss der neue Faden durch eine bereits bestehende Schlaufe geführt werden. Praktisch gelingt das kaum – und wenn doch, liegt der Faden falsch herum.

Deshalb gilt an nahezu allen Maschinen die Reihenfolge Untergreifer, Obergreifer, rechte Nadel, linke Nadel. Wer diesen Ablauf einhält, umgeht die häufigste Fehlerquelle überhaupt.

Vorbereitung, die den Unterschied macht

Vor dem Einfädeln wird der Nähfuß angehoben. Wie bei der Haushaltsmaschine öffnet das die Spannungsscheiben, sodass die Fäden sicher zwischen ihnen liegen. Bei abgesenktem Fuß rutschen sie außen vorbei – die Maschine näht dann ohne Spannung.

Ebenso wichtig ist, das Handrad so zu stellen, dass die Greifer gut zugänglich sind. Bei den meisten Maschinen ist das die Position, in der der Untergreifer am weitesten nach rechts ausgefahren ist.

Die farbigen Markierungen im Innendeckel sind kein Dekor, sondern die verbindliche Wegbeschreibung. Sie zeigen jede einzelne Führung – und gerade die unscheinbaren Ösen kurz vor den Greifern werden am häufigsten übersprungen.

Die Reihenfolge im Detail

  1. Netzstecker ziehen und den Frontdeckel öffnen
  2. Nähfuß anheben, damit sich die Spannungsscheiben öffnen
  3. Untergreifer einfädeln und den Faden etwa zehn Zentimeter überstehen lassen
  4. Obergreifer einfädeln
  5. Rechte Nadel einfädeln
  6. Linke Nadel einfädeln
  7. Alle Fadenenden nach hinten unter den Fuß legen
  8. Handrad mehrfach von Hand drehen und die Kettenbildung beobachten

Nach dem Einfädeln wird zunächst ohne Stoff eine Fadenkette genäht. Sie muss gleichmäßig und geschlossen aussehen. Erst wenn das gelingt, kommt Stoff unter den Fuß.

Die Fadenenden gehören dabei nach hinten. Werden sie nach vorn gelegt oder festgehalten, verhaken sie sich in der ersten Schlaufe und die Kette reißt sofort ab.

Fehler am Stichbild erkennen

Ein nicht eingelegter Faden in der Spannungseinheit zeigt sich als extrem lockere Schlinge auf einer Seite. Ein übersprungener Fadenführer dagegen erzeugt eine zu straffe Stelle, die den Stoff zusammenzieht.

Bildet sich gar keine Kette, ist meist der Untergreifer falsch oder gar nicht eingefädelt. Bildet sich eine Kette, die aber beim ersten Stoffkontakt abreißt, liegt der Fehler häufig bei den Nadelfäden.

Ein einfacher Trick zur Kontrolle: Vier unterschiedliche Garnfarben verwenden. Am Stichbild lässt sich dann unmittelbar zuordnen, welcher Faden nicht dort liegt, wo er hingehört.

Stichbild und zugehöriger Einfädelfehler

Beobachtung Wahrscheinlicher Fehler
Gar keine Kettenbildung Untergreifer nicht oder falsch eingefädelt
Kette reißt bei Stoffkontakt Nadelfaden falsch geführt
Sehr lockere Schlinge auf einer Seite Faden nicht in der Spannungseinheit
Punktuell zu straff, Stoff zieht sich Fadenführer übersprungen
Sporadische Aussetzer Greifer verbogen oder Nadel falsch

Der Knotentrick und seine Grenzen

Beim Garnwechsel ist es verbreitet, die neuen Fäden an die alten zu knoten und durchzuziehen. Für die Nadelfäden funktioniert das nur bedingt, weil der Knoten nicht durch das Nadelöhr passt – dort wird abgeschnitten und neu eingefädelt.

Für die Greiferfäden ist die Methode dagegen praktisch. Wichtig ist ein möglichst kleiner, fester Knoten und ein sehr langsames, gleichmäßiges Durchziehen von Hand am Handrad, nicht unter Motorkraft.

Bleibt der Knoten irgendwo hängen, wird nicht gezogen, sondern zurückgefahren und regulär neu eingefädelt. Gewaltsames Durchziehen verbiegt die feinen Fadenführungen.

Wenn das Einfädeln stimmt und trotzdem nichts geht

Bildet sich trotz korrektem Einfädeln keine Kette, gehört der mechanische Zustand geprüft. Ein verbogener Greifer trifft die Schlaufe nicht mehr im richtigen Moment – erkennbar an einem Stichbild, das sporadisch aussetzt.

Auch eine falsch eingesetzte oder falsche Nadel gehört zu den Klassikern. Overlock-Maschinen verwenden je nach Modell unterschiedliche Systeme, und eine Nadel des falschen Systems sitzt zu hoch oder zu tief.

Zeigt sich ein Greifer als Ursache, kommt es auf die exakte Bauform an. Über die Modellbezeichnung vom Typenschild lässt sich einen passenden Greifer für die eigene Overlock heraussuchen, bevor etwas ausgebaut wird.

Wer regelmäßig zwischen Garnfarben wechselt, gewöhnt sich am besten gleich einen festen Ablauf an: immer in derselben Reihenfolge, immer mit angehobenem Nähfuß, immer mit anschließender Kettenprobe ohne Stoff. Nach wenigen Durchgängen läuft das ohne Nachdenken – und genau dann passieren die typischen Flüchtigkeitsfehler nicht mehr.

Häufige Fragen

In welcher Reihenfolge wird eine Overlock eingefädelt?

Untergreifer, Obergreifer, rechte Nadel, linke Nadel. Diese Reihenfolge ist mechanisch bedingt: Der Obergreifer fährt durch die Schlaufe des Untergreifers. Umgekehrt müsste der neue Faden durch eine bestehende Schlaufe geführt werden.

Warum muss der Nähfuß beim Einfädeln oben sein?

Weil sich nur dann die Spannungsscheiben öffnen und die Fäden sicher zwischen ihnen liegen. Bei abgesenktem Fuß rutschen sie außen vorbei, und die Maschine näht ohne Spannung.

Kann ich neue Fäden einfach an die alten knoten?

Für die Greiferfäden ja, mit kleinem festem Knoten und langsamem Durchziehen von Hand am Handrad. Für die Nadelfäden nicht, weil der Knoten nicht durch das Nadelöhr passt – dort wird abgeschnitten und neu eingefädelt.

Es bildet sich gar keine Fadenkette. Woran liegt das?

Fast immer am Untergreifer: Er ist nicht oder falsch eingefädelt. Bildet sich eine Kette, die erst bei Stoffkontakt abreißt, liegt der Fehler dagegen meist bei den Nadelfäden.

Wie finde ich heraus, welcher Faden falsch liegt?

Mit vier unterschiedlichen Garnfarben einfädeln. Am Stichbild ist dann direkt zuzuordnen, welcher Faden zu locker, zu straff oder an der falschen Stelle liegt.