Antriebsriemen der Nähmaschine prüfen und wechseln: Anleitung

Antriebsriemen und Motor einer geöffneten Nähmaschine auf der Werkbank

Kurz gesagt: Wenn der Motor hörbar läuft, die Nadel aber stehen bleibt, durchrutscht oder die Maschine ungewöhnlich klappert, ist häufig der Antriebsriemen gedehnt, verölt oder gerissen. Die Prüfung dauert wenige Minuten: Seitendeckel öffnen, Riemen auf Risse und Spannung kontrollieren. Der Wechsel selbst ist bei vielen Maschinen mit Schraubendreher und etwas Geduld machbar — entscheidend ist der passende Riemen für das jeweilige Modell.

Inhalt

  1. Typische Symptome
  2. Welche Riementypen es gibt
  3. Riemen prüfen
  4. Riemen wechseln Schritt für Schritt
  5. Die richtige Riemenspannung
  6. Häufig gestellte Fragen

Typische Symptome

Ein verschlissener Antriebsriemen kündigt sich meist an, bevor er ganz ausfällt. Typische Anzeichen: Die Maschine verliert unter Last an Kraft, etwa bei dicken Stofflagen, obwohl der Motor normal klingt. Das Handrad lässt sich drehen, ohne dass der Motor mitläuft (oder umgekehrt). Es riecht nach Gummi, oder beim Nähen ist ein rhythmisches Schlagen zu hören, wenn eine schadhafte Stelle über die Riemenscheibe läuft. Reißt der Riemen ganz, surrt der Motor, aber die Nadelstange bleibt stehen.

Welche Riementypen es gibt

In Haushaltsnähmaschinen sind drei Bauarten verbreitet: Keilriemen mit trapezförmigem Querschnitt, Zahnriemen mit Querrippen, die formschlüssig in gezahnte Riemenscheiben greifen, und bei älteren Maschinen Rundriemen aus Gummi oder Leder. Zahnriemen übertragen die Bewegung schlupffrei und sitzen oft auch im Inneren der Maschine zwischen Ober- und Unterwelle — nicht nur am Motor. Welcher Typ verbaut ist, zeigt ein Blick hinter den Seitendeckel oder die Angabe in der Serviceanleitung. Bei der Ersatzbeschaffung zählen Bauart, Länge und Breite beziehungsweise Zähnezahl; passende Antriebsriemen lassen sich anhand der Modellbezeichnung der Maschine zuordnen.

Riemen prüfen

Vor jedem Eingriff gilt: Netzstecker ziehen. Anschließend den Seiten- oder Bodendeckel öffnen — meist sind es zwei bis vier Schrauben. Den Riemen Stück für Stück durchdrehen (am Handrad) und auf Risse, ausgefranste Flanken, fehlende Zähne und glänzende, verhärtete Stellen prüfen. Verölte Riemen rutschen durch und gehören getauscht, denn Öl lässt Gummi quellen.

Die Spannung lässt sich mit dem Daumen prüfen: In der Mitte zwischen den Riemenscheiben sollte sich der Riemen etwa einen Zentimeter eindrücken lassen. Deutlich mehr Spiel bedeutet: Der Riemen ist gedehnt oder die Motorhalterung hat sich gelockert.

Riemen wechseln Schritt für Schritt

  1. Netzstecker ziehen, Deckel öffnen und mit einem Foto die Riemenführung dokumentieren.
  2. Die Befestigungsschrauben des Motors leicht lösen — der Motor lässt sich dann in seinem Langloch verschieben und der Riemen entspannt sich.
  3. Alten Riemen von den Riemenscheiben nehmen. Sitzt er hinter dem Handrad, muss gegebenenfalls dessen Abdeckung oder Kupplungsschraube gelöst werden.
  4. Neuen Riemen auflegen und die Führung mit dem Foto abgleichen. Zahnriemen dabei nicht knicken.
  5. Motor zurückschieben, bis die Daumenprobe etwa einen Zentimeter Spiel ergibt, dann die Schrauben festziehen.
  6. Einige Umdrehungen am Handrad drehen und prüfen, ob der Riemen mittig und ohne Schleifen läuft, erst dann den Deckel schließen.

Bei innenliegenden Zahnriemen zwischen Ober- und Unterwelle ist Vorsicht geboten: Dort bestimmt die Zahnstellung das Timing zwischen Nadel und Greifer. Wird ein solcher Riemen ohne Markierung der Wellenpositionen abgenommen, stimmt anschließend die Stichbildung nicht mehr — diese Arbeit ist eher etwas für die Werkstatt.

Die richtige Riemenspannung

Zu straff gespannte Riemen belasten Motor- und Wellenlager und machen die Maschine schwergängig; zu lockere rutschen unter Last durch. Als Faustregel hat sich der eine Zentimeter Eindrücktiefe bewährt. Nach den ersten Nähstunden lohnt eine Nachkontrolle, da sich neue Riemen anfangs minimal setzen.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich, dass der Riemen und nicht der Motor defekt ist?

Läuft der Motor hörbar, ohne dass sich Handrad oder Nadelstange bewegen, spricht das für den Riemen. Bleibt der Motor stumm, liegt das Problem eher bei Motor, Anlasser oder Verkabelung.

Kann ich einen Riemen einfach nach Länge kaufen?

Länge allein reicht nicht: Bauart (Keil-, Zahn- oder Rundriemen), Breite und bei Zahnriemen die Zähnezahl müssen passen. Am sichersten ist die Suche über die Modellbezeichnung der Maschine.

Wie lange hält ein Antriebsriemen?

Das hängt stark von Nutzung und Lagerung ab. Gummi altert auch ohne Betrieb — bei Maschinen, die Jahrzehnte gestanden haben, ist der Riemen oft verhärtet, selbst wenn er äußerlich intakt wirkt.

Darf ich den Riemen mit Öl oder Riemenwachs behandeln?

Nein. Öl zerstört Gummiriemen. Rutscht ein Riemen durch, ist er gedehnt oder verschlissen und sollte ersetzt werden.